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Überraschender Auftaktsieg gegen DEN Aufstiegsfavoriten – 5:3 in Wilhelmsburg

Gut, dass wir doch eine Zehnermannschaft aufgestellt haben. Auch so mussten wir noch einen Ersatzmann einsetzen. Wir zeigten, dass wir mit Weiß nicht umgehen können: 3 Remis (aber keine Großmeisterremisen) und eine Verlustpartie von Bernd. Dabei sah es zunächst nur bei ihm nach Gewinn aus. Er war dann der einzige, der seine Partie und DWZ-Punkte verlor. Dafür sind wir aber mit Schwarz umso gefährlicher. Hier erzielten wir 3 Siege und nur ein Remis. Sebastian und ich waren die einzigen, die DWZ-schwächere Gegner hatten und dann auch den ganzen Punkt holten. Die Weißspieler waren viel schneller fertig. Relativ schnell stand es also 1,5:2,5 und sah an den verbleibenden Brettern nicht so super aus, reichte aber nach einigen Besitzerwechseln noch zum etwas überraschenden Sieg. Nun – soweit ich sie trotz zwischenzeitlich unverständlicher Zeitnot mitbekommen habe – die Partien im Einzelnen nach der Brettreihenfolge.

Der Weltmeisterbesieger und unser neues Spitzenbrett Jens fügte sich gleich super in seine neue Mannschaft ein. Er knackte den FM Hauke Reddmann und holte einen halben Punkt. Jens opferte in der Eröffnung einen Bauern, entfaltete Druck, so dass Hauke eine Figuren für 2 Bauern opferte. Die komplizierte Stellung mit Figur gegen 3 Bauern endete Remis durch Zugwiederholung, wobei die Stellung von Jens sogar leicht vorteilhaft schien. Jörg hatte schnell eine komplizierte aber wohl leicht bessere Stellung mit beidseitigen Angriffschancen auf dem Brett. Seine sehr optimistisch spielende Gegnerin büßte eine Figur ein und Jörg brachte das Endspiel gewohnt souverän nach Hause. Bernd stand gut für einen Angriff mit Isolani, büßte den Bauern ein, was nichts an seiner vorteilhaften Stellung änderte. Erst das Übersehen eines einen guten Verteidigungszugs ließ die Lage kritisch werden. Bernd erkannte nicht rechtzeitig, dass er auf Klammern umschalten musste und verlor. Axel stand mal wieder früh vollkommen auf Abbruch, eingeklemmt mit schlechten Figuren, schwachen Bauern und einem Läufer der falschen Farbe. Nachdem der Gegner eine Qualität mitgenommen hatte und noch mehr gewinnen konnte, kam er aber vom Kurs ab und Axel konnte ihm mit Wuselschach und kreativen Drohungen wieder einiges Material abnehmen, so dass er doch noch den halben Punkt ergatterte. Man darf ihn einfach nicht in schlechte Stellungen kommen lassen – aber das verraten wir den Gegnern lieber nicht. Norbert versuchte den Gegner gut unter Druck zu setzen, dann drohte aber ein Bauer verloren zu gehen. Er konnte vereinfachen und dabei ohne Materialverlust rauskommen. Irgendwie ein folgerichtiges Remis von einem unserer am schwersten zu besiegenden Spieler. Mein Versuch im Trompowsky nach Tausch auf f6 Wolga- bzw. Blumenfeldgambit-artig weiterzuspielen, war schon sehr gewagt. Objektiv stand ich schlechter, aber der Stellungstyp schien mir mehr zu liegen, so dass ich meinen Gegner in Zeitnot und defensive Züge trieb. Auf der Suche nach dem Gewinnweg büßte ich unverständlich viel Zeit ein und hatte plötzlich noch größere Zeitnot als der Gegner (2 Minuten für 12 Züge). In der Blitzphase stellte ich einzügig die Dame ein und dann noch mal zweizügig die Dame gegen einen Turm. Aber mein Gegner nahm beide Angebote nicht an. Nach dem 40. Zug – den ich für den 39. hielt und unzutreffend Zeitüberschreitung reklamierte – hatte ich ein gewonnenes Doppelturmendspiel auf dem Brett. Bis zum 47. Zug konnte ich ihm seine beiden verbliebenen Randbauern mit Mattdrohungen abnehmen. Die Umwandlung meiner beiden verbundenen Freibauern wollte er nicht mehr ansehen und gab auf. An dem Abend hatte ich noch mehr Glück als Axel. Flo hatte eine leicht besser wirkende Stellung, in der wenig ging und schnell viel Material verschwand. Er wollte früh remisieren, aber spielte brav weiter, als ich der Meinung war, dass der Mannschaftsstand das nicht hergebe. Remis wurde es erst, als beide nur noch einen Bauern und zwei Leichtfiguren hatten. Das war definitiv ein ausgekämpftes Remis. Sebastian fing leicht unübersichtlich aber doch recht geruhsam an. Dann stellte er einen Bauern ein. Sein Gegner opferte Bauern zurück, um einen Bauern umwandeln zu können. Und dann nahm der Wahnsinn seinen Lauf. 123 Züge und drei Damenumwandlungen benötigte Sebastian zum Sieg. Irgendwie rannten immer wieder Bauern um die Wette und jedes Mal wurden die abgetauschten Damen wieder aufs Brett gestellt. Dass konnte einen im Augenwinkel schon nervös machen, wenn man versucht, durch nicht Ziehen endlich selbst in Zeitnot zu geraten und dann spielen sie nebenan nur Wettlaufen. Nach 3 Stunden hatten sie schon achtzig Züge und ein paar Damenumwandlungen hinter sich. Den Dauerschachdrohungen entkam Sebastian immer wieder mal und gewann schließlich sehr überzeugend und verdient mit seinen verbliebenen beiden Freibauern. Das Motiv sollten wir uns für die Saison merken. Immerhin konnten Sebastian und ich mit 2 verbundenen Freibauern im  Schwerfigurenendspiel bei kompletter Bauernlosigkeit der Gegner jeweils Punkte machen.

In den Einzelwertungen sind natürlich nach nur einer Partie die Konturen höchstens zu erahnen. Auch wenn manche Remisspieler wieder ihren Anspruch auf den Remiskönig ebenso anmelden wie manche wilde Spieler auf den Titel des besten Binärspielers. Da fällt vielleicht höchstens Axel mit seinem halben Punkt ein bisschen aus der Reihe. Die Abreise eines Großteils der Mannschaft erfolgte gemeinsam in Norberts „Mannschaftsbus“ – der Mannschaftsgeist stimmt halt in jedem Detail. Auch Hauke nahmen wir von diesem erfolgreichen Ausflug in das Gentrifizierungsgebiet mit zurück über die Elbe. In der nächsten Runde geht es gleich mit HSK 11 gegen einen weiteren Aufstiegskandidaten und einen der momentanen Spitzenreiter. Sollten wir da wieder so erfolgreich sein, könnten wir wohl bis zum Saisonende um den Aufstieg mitspielen.


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