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Grippe, große Fahrt und noch größeres Glück – 4:4 bei Diagonal 2 dank traurigen Turms in der letzten Partie

Wenn es mal anstrengend für den Kapitän wird, dann auch richtig. Die Grippewelle sorgte dafür, dass aus der 10er-Mannschaft nur 5 Stammspieler antreten konnten. Vorteil davon war aber immerhin, dass ich zum 3. Mal schwarz hatte (an den Brettern 6, 7 und 4). Daher konnte sich Flo mehr oder minder erfolgreich genauso auf sein Weißrepertoire konzentrieren wie ich mich auf mein schwarzes.Vielen Dank an die Ersatzspieler, die sich schnell bereitgefunden haben, obwohl es gefühlt eines der abgelegensten Auswärtsspiele seit BBK2-Gedenken war. Letztlich dauerte die Fahrt weniger lange als befürchtet und der Weg in das tolle Spiellokal (super ausgestattete Schulmensa) zu freundlichen Gegnern war deutlich einfacher als befürchtet. Mit fünf Spielern in S-Bahn und HVV-Bus erwies sich die Anreise auch als sehr gesellig. Den sechsten sammelten wir kurz hinter der Endhaltestelle ein und der Autofahrer war auch schon da. Kurz vor 7 fehlte somit nur Roderich an Brett 8, dann klingelt mein Handy, aber es war nur etwas nicht-Schachliches. Die Mannschaftsaufstellung war schon abgegeben, als zu meinem Entsetzen Lukas statt Roderich auftauchte. Die beiden hatten sich verständigt, dass Lukas spielt, aber mich nicht erreicht. Der gegnerische Kapitän war sofort bereit, die Eintragung noch zu korrigieren, damit alle spielen könnten. Vielen Dank nochmal für so viel sportliche Fairness! Immerhin erwies sich Lukas als ebenso fair, indem er dem sonst eher in der Landesligaliga spielenden Ersatzmann den ganzen Punkt überließ. Eine Niederlage, wegen derer er sich nun wirklich nicht grämen muss. Das hätte an dem Brett auch (fast) jeder andere aus unserer Mannschaft hinbekommen.Lukas stand schnell bedrängt und ging im Königsangriff unter. Auch Sebastian verlor recht schnell, obwohl er zunächst in einer komplizierten Theorievariante zwei solide Mehrbauern erobert hatte. Aber dann brachte er den König nicht rechtzeitig in Sicherheit und lief in einen furchtbaren Königsangriff und verlor. Der noch ordentlich erkältete Martin holte gegen einen starken Gegner an zwei ein tolles Remis. Er stand zwischendurch besser, aber nach kleineren Fehlern musste er den halben Punkt mitnehmen. Jens erzielte einen ebenso schönen, wie spektakulären und schnellen Sieg. Bei entgegengesetzten Rochaden kam nur sein Königsangriff voran. Mit einer Opferkombination machte er den ganzen Punkt. Beim Stad von 1,5:2,5 stand nur Bernd besser, Sven und ich sehr solide, Flo sehr gedrängt. Er büßte bald eine Qualität gegen einen Bauern ein - aber der Gegner hätte wohl stärkere Fortsetzungen als nur Materialgewinn gehabt. Ich machte in guter Stellung etwas hilflose Gewinnversuche, kam vom Weg ab und war froh mich in ein etwas schlechteres Damenendspiel mit gleicher Bauernzahl zu retten und das Remis zu sichern.. Dafür spielte Sven konsequent gegen den etwas schwachen Damenflügel des Gegners und dominierte zudem die einzige freie Linie. Bald brach die gegnerische Stellung zusammen. Das war endlich eine Partie, in der Sven zeigen konnte, was er kann. Vielleicht sollte er nur noch bei uns (Ersatz) spielen und nicht in der 3. (am Spitzenbrett)?! Nun spitzte sich das Ganze beim Stand von 3:3 dramatisch zu. Flo stand immer noch auf Verlust, so dass ich Bernd, der seinen Vorteil eingebüßt hatte, dazu drängte trotzdem weiterzuspielen. Sein Gegner holte einen schwachen Bauern ab, tauschte danach konsequent Material ab und wickelte schließlich in ein eindeutig gewonnenes Bauernendspiel ab. Ich erwies mich - unfreiwillig - als guter Hobbypsychologe, indem ich Flo mitteilte, wir hätten verloren. Denn an einen Sieg aus seiner mühsam zusammengezimmerten Festung heraus war nun wirklich nicht zu denken. Daraufhin bot er Remis an, damit wir schnell nach Hause kommen. Sein Gegner tappte in die Falle und spielte auf seltsame Weise auf Sieg, stellte dabei die beiden Türme passiv und den eigenen König ins Abseits beim vermeintlichen Versuch noch einen Randbauern einzusacken. Flo wartete diese Manöver entspannt ab. Erst als er plötzlich wieder gewinnen konnte, teilte ich ihm mit, dass es 3:4 steht und er nicht Remis anbieten dürfe. Er aktivierte seinen Turm, so dass er noch einen Bauern abholte. Beim Tausch eines Turms, der erzwungen war, weil sonst Flo ein verbundenes Freibauernpaar auf der a- und b-Linie und 2 Mehrbauern gehabt hätte, rückte der a-Bauer bis nach a7 vor. Sein Gegner machte ein paar schwächere Züge und so entstand eine irre Stellung, in der der verbleibende gegnerische Turm auf a8 von Flos Bauern auf a7 und seinem Läufer auf b8 eingeklemmt war und ein äußerst trostlosen Anblick bot. Der Rest des Bretts war ein Bauernendspiel mit Mehrbauer für Flo und daraus wurde schnell ein ganzer Punkt und damit doch noch ein längst verlorengeglaubter Mannschaftspunkt. Wir sind zumindest dann sehr kämpferisch, wenn der Kapitän falsche und Druck mindernde Nachrichten an die Spieler ausgibt. Wenn ich das zu häufig mache, werden die Mannschafskollegen das aber vermutlich duchschauen und mir gar nicht s mehr glauben.In den Einzelwertungen hat sich wenig getan: Norbert und Axel verteidigten ihre Führung im Bereich höchster DWZ-Zuwachs bzw. höchste Remisquote konsequent durch Aussetzen. Bernd ist mit 2 Niederlagen der beste Binärspieler, aber nur weil er weiterspielen sollte, als er eigentlich ein Remis hätte machen können. Die meisten Punkte habe momentan ich mit 2 aus 3. Jörg und Axel weisen mit 75% die beste Quote auf - ebenfalls schlau durch nicht-Spielen verteidigt. Flo und Jens als oberstes und unterstes Brett der Mannschaft erweisen sich als flexibelste Spieler und haben jeweils alle 3 möglichen Ergebnisse schon nach drei Einsätzen beisammen - und das auch noch in der gleichen Abfolge. Mal schauen, ob sie konsequent weiterhin immer dieselben Ergebnisse erzielen. Die mittleren Bretter müssen noch ein bisschen an der Symmetrie ihrer Ergebnisse arbeiten. Schach ist ja schließlich auch ein ästhetischer Sport. 


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